Ich habe lange überlegt, was ich in diesem Blogpost schreiben möchte. Das Thema, worüber ich euch heute erzählen möchte, ist ein typisches Mama-Blog Thema. Nur ich bin eine sehr untypische Mutter. So untypisch, dass wir oft als Freundinnen wahrgenommen werden. Und noch öfter als Schwestern, da wir uns wirklich sehr ähnlich sind. Dass niemand in mir Kathi’s Mama sieht, liegt daran, dass wir wie zwei Freundinnen miteinander umgehen. Oder wie Schwestern. Aber bestimmt nicht wie Mutter und Tochter. Und eines Tages habe ich mir alle diese Fragen gestellt: Wer sind wir? Mutter und Tochter oder Freundinnen? Oder beides? Und wie lassen sich zwei so verschiedene Rollen vereinbaren? Und wo liegt die Grenze – wann bin ich Mutter und wann Freundin?

MUTTER ALS FREUNDIN? IST DAS MÖGLICH?

Als Kathi auf die Welt kam und ich sie zum ersten Mal gesehen habe, war mir sofort klar: sie ist die große Liebe meines Lebens! Als Kathi noch ein Baby war, klein und süß wie ein Püppchen, war mir klar dass es kein Püppchen ist. Ich habe sie nie nur als Kind gesehen. Ich habe in ihr eine andere Frau gesehen, die einfach noch sehr klein ist. Die meine Hilfe braucht, um groß zu werden und die vielen Dinge dieser Welt zu lernen. Ich wusste, dass wir uns eines Tages auf der gleichen Augenhöhe gegenüber stehen werden. Und ich wollte sie von Geburt an behandeln wie eine ebenbürtige gleichwertige Frau, die einfach noch Strampler trägt und auf mich angewiesen ist.

Der Unterschied zwischen Eltern und Freunden liegt vor allem daran, dass Eltern nicht unbedingt unsere besten Freunde sind. Kennt ihr das auch? Man hat sich als Kind oder Teenager weder gehört noch verstanden gefühlt? Wer von euch hat sich unnormal gefreut, endlich bei den Eltern auszuziehen? Und daraus folgte die wichtigste Frage, die ich mir jemals im Leben gestellt habe: ist es möglich für das eigene Kind nicht nur Mutter, sondern auch eine Freundin zu sein?

MÜSSEN UNS UNSERE KINDER MÖGEN?

Eine Freundschaft entsteht immer aus gegenseitigem Interesse. Die Eltern können wir uns nicht aussuchen. Wenn ich mir manche Familien anschaue, dann geht mir einiges durch den Kopf. Manche Eltern behandeln ihre Kinder auf eine Art – würden sie so mit ihren Freunden umgehen, hätten sie bald keine mehr. Und das sind nicht unbedingt schlechte Eltern. Sie sind nur mit anderen Dingen beschäftigt. Aber nicht damit sich mit ihren eigenen Kindern anzufreunden. Ich meine damit eine echte tiefe Freundschaft. Um für das eigene Kind ein guter Freund zu sein, muss man erst das Kind gut kennenlernen. Sich dafür Zeit nehmen. Dem Kind zuhören und nicht alles abstreiten, was nicht unbedingt in das eigene Denkmuster passt.

Ich wollte, dass Kathi mich vor allem deswegen mag, weil ich ihr einen Grund gebe, mich zu mögen. Und nicht nur weil ich ihre biologische Mutter bin. Wir mögen unsere Freunde auch deshalb, weil sie dieselben Interessen mit uns teilen, weil sie uns zuhören und  immer für uns da sind, wenn wir sie brauchen. Die Freundschaft zwischen Kathi und mir ist genauso gewachsen. Am Anfang, als sie noch klein war, war ich mehr Mama als Freundin für sie. Aber jetzt, wo sie 14 ist, bin ich viel mehr Freundin. Weil sie mich heute eher als Freundin braucht. Eine Freundin, die alle Fragen beantworten kann und der sie die Dinge anvertrauen kann, die sie sonst niemanden erzählen würde.

MUTTER UND FREUNDIN: LÄSST SICH DAS VEREINBAREN?

Ich würde sagen ja. Ziemlich gut sogar. Wenn wir Meinungsverschiedenheiten haben, z.B. ob man im Winter draußen bauchfrei laufen darf oder nicht, versuche ich ihr zu erklären, warum ich dagegen bin. Genau dasselbe würde ich auch einer guten Freundin sagen, weil ihre Gesundheit mir nicht egal ist. Manchmal geht es schief und meine Argumente bringen nichts. Dann helfen nur Sanktionen, oder wie Kathi sagt: „Das ist Erpressung!“ Ich antworte ihr: „Das stimmt, es ist Erpressung. Aber solange ich für deine Gesundheit verantwortlich bin, setzte ich mich auch durch!“ Danach ist meistens Frieden und keiner geht beim Frost bauchfrei raus. Das Wichtigste bei solchen Auseinandersetzungen ist, dass wir beide auf der gleichen Augenhöhe stehen, wenn wir reden. Ich setzte mich nur deswegen durch, weil ich stärker bin. Ich bin nur deswegen stärker, weil ich die Verantwortung für sie trage. Solche Fälle sind die Einzigen, wo ich noch „Mutter“ bin. Sobald Kathi volljährig ist und für sich selbst die Verantwortung tragen wird, werde ich nur noch eins sein – ihre Freundin.

WAS IST WICHTIGER: GUTE NOTEN ODER EINE GUTE BEZIEHUNG?

Es ist eine provokative Aussage, aber sie stimmt: Pubertät existiert nicht wirklich. Kinder fangen an zu rebellieren und färben sich die Haare grün, oft nur weil die Erziehungsschrauben in der Familie zu stark angezogen sind. Im Teenager-Alter werden Kinder nicht nur körperlich, sondern auch mental stärker. Und brechen aus dem Familiensystem aus! Wenn man mit den Kindern gut umgeht, sie respektiert, ihnen zuhört und sich Mühe macht ihnen die Dinge zu erklären, entsteht gar kein Bedürfnis an sogenannter „Pubertät“. Natürlich streiten Kathi und ich uns manchmal. Zwar sehr selten, aber es kommt vor. Dann streiten wir auch wie zwei Freundinnen – schreien ist bei uns nicht verboten! Wir lassen die Emotionen raus, gehen für ein paar Stunden in zwei verschieden Zimmer, lassen die Emotionen abkühlen und haben danach unsere liebevolle Freundschaft wieder!

Es gibt so viele Anlässe die Beziehung zum eigenen Kind für immer und ewig zu verderben: Noten und Leistung in der Schule, provokatives Aussehen, die Auswahl der Freunde. Ich bin wirklich sehr vorsichtig mit diesen Themen. Ich stelle mir einfach die Frage: Was ist mir wichtiger – gute Noten in der Schule oder eine gute Beziehung zu meinem Kind? Deswegen war ich seit der Grundschulzeit nicht mehr in der Schule und mische mich auch nicht mehr in die schulischen Sachen ein. Was Kathi’s Aussehen betrifft – da habe ich zu ihr mein vollstes Vertrauen! Sie hat so einen mega Geschmack, dass ich mich sogar von ihr beraten lasse, wenn es ums Aussehen geht. Ich kann bei ihr so unglaublich viel lernen. Das macht unsere Freundschaft noch stärker! Wir lieben uns, wir brauchen uns, wir bringen uns gegenseitig zum Lachen, inspirieren und ermutigen uns. Wir stehen Seite an Seite und gehen Hand in Hand durch das Leben. Das ist tatsächlich eine Freundschaft. Nur mit dem Unterschied, dass ich die Verantwortung für Kathi trage und immer für sie da bin, ohne von ihr etwas zurückzuverlangen. Zurückgeben wird sie es dann ihrer eigenen Tochter.

Das ist fast ein ganzes Buch geworden! Aber es gibt so viel zu sagen!
Und was meint ihr zu dem ganzen Thema?

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