Träumt ihr manchmal von einem geheimen Ort, wo ihr euch einfach verstecken könntet? Vor eurem Alltag, vor der Routine, vor euch selbst und vor allen anderen? Vor eurer Arbeit, vorm frühen Aufstehen, vor tausenden Pflichten, vor der alltäglichen Müdigkeit? Anfang Januar habe ich genau das ziemlich deutlich gespürt: ich muss weg. Vielleicht lag es an dem langen Winter, der bereits im November angefangen hatte. Seitdem haben wir kaum noch Sonne in München gesehen. Oder es lag daran, dass ich zu den Menschen gehöre, die unbedingt ab und zu eine Auszeit, eine Zeit nur für sich selbst brauchen. Auf alle Fälle wurde der Druck auszubrechen so hoch, dass wir ganz schnell den passenden Flug gefunden haben. Und einen geheimen Ort, wo ich mich von all dem verstecken konnte. So kam die schönste Zeit in meinem Leben – die Auszeit an einem geheimen Ort, der nur mir gehört.

Jeder, den ich kenne, sagt: die Zeiten sind viel zu schnell geworden. Jeder, den ich kenne, zählt die Tage nur noch Montag-Freitag, Montag-Freitag… Daraus werden Wochen, Monate und dann Jahre. Jeder, den ich kenne, sagt, dass die Zeit viel zu schnell läuft. Dass man im Hamsterrad kaum noch sich und das eigene Leben spürt. Es gibt nur noch eine endlose Reihe von Aufgaben, Zielen, Pflichten, Erledigungen. Und jeder sehnt sich danach: eine Auszeit. So geht es wirklich jedem, egal ob das ein Kassierer im Supermarkt oder ein Unternehmer mit Millionen-Umsätzen ist. Klar, es gibt viele Faktoren, die das verursachen. Die Technologien und die Kommunikation werden immer schneller, die Globalisierung hat auch einiges dazu beigetragen und das Leben in der Großstadt ist auch viel zu schnell. Ich habe mich mit dem Großstadt-Tempo immer noch nicht abgefunden, vielleicht werde ich das als Mädchen aus der provinziellen Küstenstadt auch nie schaffen.

OB EIN KASSIERER ODER EIN UNTERNEHMER – JEDER KENNT DAS

Aber allein die Gedanken für ein paar Tage weg zu fliegen haben mir riesige Freude gemacht. Ich hatte das Bedürfnis nicht nur an einem anderen Ort zu sein, sondern auch mich selbst anders zu erleben. Wenn ich zu lange etwas bestimmtes mache, identifiziere ich mich zwangsläufig damit. Wenn ich zu lange und zu viel arbeite, dann bin ich die Frau, die einen 10 Stunden Arbeitstag hat. Die Frau, die den Geschirrspüler ausräumt, die Wäsche aufhängt, die Einkaufen geht und die Küche aufräumt. Jede Frau, die Kind und Familie hat, kennt dieses Gefühl. Es gibt aber auch andere Seiten von mir, die im Alltag keinen Platz finden: ich die Freie, ich die Sorglose, ich die Glückliche. Irgendwo tief unter dem ganzen Arbeits- und Haushaltskram ist diese Frau vergraben. Ich habe sie vermisst, ich habe dieses Gefühl von mir selbst vermisst. Und eines Tages habe ich angefangen nach ihr zu suchen. Ein Flugticket gebucht und eine Wohnung irgendwo im südlichsten Eck Europas gemietet. Selbst wenn nur für drei Tage.

DIE BESTE AUSZEIT IST EIN KOMPLETTER WECHSEL

Diese Wohnung ist tatsächlich mein Versteck geworden. Seit dem ersten Besuch im Januar war ich noch einmal dort. Ich kannte die Gegend schon und konnte dem Taxifahrer problemlos meine Adresse sagen. Wenn wir morgens in das Café zum Frühstücken runtergegangen sind, kannten uns die Kellner schon und haben uns wie Einheimische begrüßt. Ich hatte sogar meinen Einkaufsladen in der Nähe der Wohnung – einen kleinen Araber, bei dem man auf wenigen Quadratmetern wirklich alles findet und wo ich Obst gekauft habe. Ich hatte meine Lieblingscafés in der Stadt, meine Lieblingsstraßen und meine Lieblingshäuser. Unten vor meiner Wohnung gab es jeden Samstag einen Flohmarkt. Ich habe nach dem Aufwachen das Fenster aufgemacht und die Sonne einer anderen Stadt, die Meeresbrise und die Stimmen und Geräusche vom Flohmarkt reingelassen. Und dann ist das Wunder geschehen: ich war auf einmal eine Andere.

JE WEITER DIE REISE, DESTO NÄHER KOMME ICH ZU MIR SELBST

Die Wohnung hat riesige Fenster, sogar Türen – von der Decke bis zum Boden. Morgens habe ich beide Türen aufgemacht und mit meinem Kaffe ewig lang auf den Flohmarkt, auf das Meer und die Stadt unten geschaut. Ich hatte das Gefühl wieder ich zu sein – ich die Echte, ich die Sorglose, ich die Glückliche. Klar, habe ich auch mein Notebook und eine Menge Arbeit mitgenommen, und trotzdem war alles anders. Die Adresse dieser Wohnung kennt niemand, ich werde sie auch niemandem weiterempfehlen. Sogar meine Freunde wissen nicht, wo sie ist. Das ist etwas nur für mich, meine persönliche andere Realität und mein Zugang zu der anderen Welt. Ich werde noch öfter hierhin kommen, wenn ich eine Auszeit brauche. Zu meinem geheimen Ort, der einige Flugstunden von München entfernt ist. Schließlich je weiter ich reise, desto näher komme ich zu mir selbst.

DESSOUS

Negligé Victoria’s Secret hier

 

* Dieser Blogpost enthält Affiliate Links

1 Kommentar