Perfektionismus Falle La Blonde Blog

Es war ein Dienstag Morgen, an dem mein Mann und ich das neue Outfit für meinen Blog geshootet haben. Ein strahlender sommerlicher Dienstagmorgen in München. Nachdem wir an drei verschiedenen Ecken in der Innenstadt fotografiert hatten, konnten wir zufrieden sein und uns entspannt auf die Ergebnisse unserer Arbeit freuen. Aber etwas hat mich weiter und weiter getrieben. Ist es genug? War unsere Arbeit wirklich gut? Noch etwas weiter um die Ecke gehen… vielleicht entdecken wir da eine bessere Location zum fotografieren. Und noch etwas weiter. Und nochmal… Bis ich mich an einen Tisch in einem noch geschlossenem Straßencafé hingesetzt habe und dachte: es reicht! Bin ich jetzt wirklich dem Perfektionismus zum Opfer gefallen?

In letzter Zeit lese ich oft darüber, wie man sich am besten motivieren kann. Verschiedene Tricks und Ratschläge wie etwa „durchhalten“, „nicht aufgeben“ und „an das Ziel denken“. Ich verstehe das voll und ganz, dass manchen Menschen vielleicht phasenweise die Motivation fehlt. Es gibt aber noch die andere Seite der Medaille, von der kaum jemand spricht: Perfektionismus. Ich kenne diese andere Seite gut. Wenn ich etwas anfange das mich begeistert, nimmt es mich komplett ein. Es gibt dann keine Uhrzeit, keine andere Interessen, manchmal sogar vergesse ich mir etwas zum Essen zu machen oder zu bestellen. Es gibt dann nur noch eins: es so gut wie möglich zu machen.

Perfektionismus ist die Tugend unserer Zeit

Bei meiner Bloggerarbeit denke ich ständig darüber nach, ob alle Emails beantwortet sind, ob der neuer Bildstoff für den Blog geshootet ist und ob alle anderen Kleinigkeiten erledigt sind. Alle Blogger kennen das: ein Blogger hat seinen Kopf selten frei. Und manchmal entkomme ich nicht der Versuchung wieder etwas zu verbessern. Nochmal den Text zu überschreiben, die Bilder zu überarbeiten. Obwohl es nicht nötig ist. Mir ist bewusst, dass meine Arbeit gut gemacht ist. Warum dann lässt mich das Gefühl nicht los, man könnte es noch besser machen?

Andererseits bin ich auch kein Freund von den allgemein bekannten Sprüchen wie „der Weg ist das Ziel“. Natürlich birgt der Satz eine wichtige Wahrheit, aber ich möchte nicht nur über endlose Wege stolpern. Ich möchte schon gerne an meinem Ziel ankommen, um dann nach einer Pause wieder ein neues Ziel zu setzen.

Aber manchmal frage ich mich: was machst du da? Ist es lebensentscheidend die drei Artikel heute noch zu Ende zu schreiben? Was ändert sich, wenn ich das morgen mache? Nichts. Und dann wird mir klar, dass ich mich umsonst hetze.

Erfolg zu haben ist nicht mehr gut, es ist normal

Perfektionismus ist die Tugend unserer Zeit ist. Es ist fast uncool heutzutage entspannt zu sein. Wenigstens den Eindruck, dass man gleichzeitig fünf verschiedene Projekte am Laufen hat, sollte man vermitteln. Erfolg zu haben ist nicht mehr gut, es ist normal. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Jeder, der es etwas weiter bringen will, lebt unter permanentem Leistungsdruck. Dadurch entsteht Perfektionismus. Endet diese Geschichte nicht selten mit Burnout.

In klinischen Studien wird Perfektionismus als Störung gesehen. Also ist es eine Tugend oder Krankheit? – frage ich mich, während ich im noch geschlossenen Café am Tisch sitze. Eigentlich spielt es keine Rolle wie man es nennt, es fühlt sich einfach nicht gut an. Perfektionismus raubt die Freude. Es ist eine fiese Stimme, die flüstert: du hast nicht genug getan. Du kannst es besser. Kann man das wirklich besser machen? Ist es überhaupt realistisch?

Eine Strategie gegen das Perfektionismus-Hamsterrad

Ich saß in diesem leeren Café, ohne etwas auf dem Tisch zu haben, ohne Kellner, ohne andere Gäste und dachte, es ist gut wenn etwas manchmal nur leer ist. Nicht hundertprozentig. Unvollständig. Dann bleibt viel Raum für die Entstehung von neuen Dingen. Für die Erholung, für sich selbst. Es ist nicht so, dass ich mich jetzt in eine bloggende Psychotherapeutin verwandeln möchte. Aber dieses ständige „besser, schneller…“ und was da noch in die Reihe passt – darauf habe ich einfach keine Lust mehr. Niemand stirbt wenn der Spiegel im Bad nicht immer picobello geputzt ist und die Blogbeiträge für das nächste halbe Jahr noch nicht geschrieben sind. Ganz im Gegenteil: dann bleibt sogar Zeit für eine Tasse Kaffe und die Gedanken darüber, was man alles schon gut gemacht hat!

Und für Diejenigen, die wie ich manchmal in das Perfektionismus-Hamsterrad einsteigen, habe ich eine kleine Strategie entworfen, wie man dem kleinem Monster namens Perfektionismus entkommen kann.

Meine 5 Tricks gegen Perfektionismus

1   Immer einen Plan oder eine ToDo Liste erstellen

Nur das machen, was auf dem Tagesplan steht. Und danach nicht vergessen sich dafür zu loben! Jeder von uns hat viel vor und viele Pläne. Alles zusammen sieht oft aus wie ein riesiger Berg. Man bekommt schnell das Gefühl, dass es kein Ende hat und man muss deswegen noch schneller arbeiten. Aber aufgeteilt sieht es gar nicht so schlimm aus!

2   Richtig vergleichen

Ich habe am Anfang einen Fehler gemacht: ich habe gleich mich mit den ganz Großen verglichen. Klar, dann kommt schnell die Frustration! Man sollte sich oder die eigene Leistung niemals mit denen vergleichen, die bereits oben angekommen sind. Inspirieren lassen – ja! Aber vergleichen sollte man nur mit sich selbst: vor einem Jahr, vor einem halben Jahr oder vor einem Monat. Das ist sehr produktiv und macht ein gutes Gefühl!

3   Sich durch die Augen eines anderen sehen

Stellt euch vor ihr seid eure beste Freundin. Was würdet ihr dann zu euch sagen? Wenn ich merke, dass mein Perfektionismus wieder im Anmarsch ist, stelle ich mir genau das vor – ich bin meine beste Freundin. Und überlege, was würde ich dann zu mir sagen. Meistens kommt raus „cool“, „tolle Leistung“ und „du hast es gut gemacht!“ Unsere Freunde loben wir für jeden Schmarrn, aber bei uns selbst sind wir oft zu kritisch. Vielleicht, wird’s Zeit, dass wir selbst unsere besten Freunde werden?

4   Zu wissen, wann etwas genug ist

Man sollte sich die Frage stellen: ist es genug um das Ziel zu erreichen / den Zweck zu erfüllen? Wenn die Antwort positiv ist, sollte man aufhören. Dagegen die Frage „ist es perfekt?“ führt nur in den Wahnsinn, weil niemand weiss, wie dieses „perfekt“ überhaupt aussieht.

5 Think south, think positive

Sich die südliche Mentalität anzugewöhnen ist der beste Weg aus dem Perfektionismus-Wahn. Ich bin im Süden aufgewachsen und kenne die Grundentspanntheit der Südländer gut. In Südbayern sagt man auch zu allem Möglichen „ja mei!“ was unter anderem bedeutet „stress dich nicht!“

Ich hoffe, dass meine 5 Tricks hilfreich sind und dass mein Artikel nicht perfekt geworden ist. Sonst wäre das genau das Gegenteil von dem, was ich hier in dem Text propagiere 😊 Schreibt mir in die Kommentare, wenn ihr auch Ideen habt, was man gegen Perfektionismus machen kann!

Perfektionismus - so entkommt man der Falle La Blonde Blog München

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